Schichtsysteme
Die
photothermische Schichtdickenmessung beruht auf dem physikalischen
Prinzip der Wärmeausbreitung in unterschiedlichen Medien.
Beim gepulst photothermischen
Messverfahren wird ein kurzer Laserimpuls auf den Lack ausgesendet der
die Lackschicht erwärmt. Die kurzwellige Laserstrahlung wird beim
Auftreffen auf den Lack in langwellige Strahlung, die sogenannte
Wärmestrahlung umgewandelt.
Die Temperatur breitet sich dann langsam von der Oberfläche in
tiefere Lackregionen aus, bis sie das Substrat erreicht. Solange
Energie über den Laserimpuls zugeführt wird erfolgt eine
Temperaturerhöhung. Nach dem Stop der Energiezufuhr wird die
Temperatur des Lackes durch die sehr schnelle Ableitung der
Wärmeenergie über den Untergrund abgebaut. Die Empfangsoptik registriert
den zeitlichen
Verlauf der Temperaturänderungen an der Lackoberfläche.
Sinngemäss lassen sich dünnere Lackschichten mit dem Laser
schneller aufheizen
als dickere. Der zeitliche Verlauf dient als Mass für die
Schichtdicke.
Das Messverfahren hängt massgeblich davon ab, dass der Lack und
das
Substrat unterschiedliche Wärmeausbreitungskoeffizienten besitzen:
Zur Beantwortung der Frage, auf
welchen Lacken bzw. welchen Untergründen gemessen werden kann,
betrachtet man die Wärmeausbreitungseigenschaften der beteiligten
Medien.
Lack
Prinzipiell können alle organischen und
pigmentierten Lacke zur Schichtdickenmessung verwendet werden.
Die Wärmeausbreitung ist in diesen Lacken sehr langsamen und gut
messbar. Trockene
Schichtdicken können in einem Bereich von 5 µm bis 250
µm gemessen werden. Bei zu
dünnen Lacken unter 5 µm verläuft die
Wärmeausbreitung
zu schnell und kann nicht mehr korrekt erfasst werden. Als weiterer
Umstand
kommt hinzu, dass sich die dünnen Lacke meist nicht mehr mit dem
Laser
thermisch anregen lassen, da selbst pigmentierter Lack optisch
durchsichtig
ist und zum grossen Teil die Laserenergie im Untergrund abgeführt
bzw.
reflektiert wird. Ähnliche Effekte treten auf, wenn Klarlacke
gemessen
werden sollen. Eine einzelne Klarlackschicht auf Metall kann daher
nicht
vermessen werden. Anders sieht es aus, wenn ein Mehrschichtaufbau
vorliegt,
bei dem der Klarlack die abschliessende Schicht ist. Dann besteht die
Möglichkeit
eine indirekte Erwärmung des Klarlacks über den Untergrund
durchzuführen, wenn dunkle Untergründe vorliegen. Metallische
Schichten können nicht gemessen werden, da sie mit dem Laser
thermisch nicht angeregt
werden können und die Strahlung einfach reflektieren. Sogenannte
Mischlacke mit einem Metallpartikelanteil lassen sich aber vermessen,
solange ein ausreichender Anteil an organisch, pigmentierten Substanzen
vorhanden ist. Schichtdicken oberhalb von 250 µm lassen sich mit
dem
photothermischen Messverfahren nur durch sehr lange Messzeiten sicher
bestimmen, was eine Messung in der Bewegung erheblich erschwert.
Bei Messungen an
Mehrschichtaufbauten ist zu beachten, dass immer nur die
Gesamtschichtdicke gemessen werden kann. Ist die Erfassung von
Einzelschichtdicken gefordert, so muss eine Differenzmessung nach jedem
Schichtauftrag erfolgen. Dies gilt auch für die Vermessung einer
feuchten Schicht auf einem trockenen Mehrschichtaufbau. Dabei muss die
Schichtdicke des trockenen darunterliegenden Mehrschichtaufbaus bekannt
sein, um sie von der Gesamtschichtdicke abziehen zu können. Die
Schichtdicke des trockenen Schichtaufbaus muss hier aber nicht exakt am
Messort bestimmt werden. Ein statistischer Flächenmittelwert ist
ausreichend, da der oft dünnere, trockene Mehrschichtaufbau
im Verhältnis zur dicken, feuchten Schicht nur einen geringen
Beitrag an der Gesamtschichtdicke hat. Messungenauigkeiten und Fehler
des trockenen Schichtaufbaus wirken sich dadurch wesentlich geringer
aus.
In einigen
Ausnahmefällen ist auch die Erfassung eines Zweischichtaufbaus,
z.B. dünner Klarlack auf dicken Trockenschichten, mit einer
Messung möglich, wenn die
beiden Lackschichten sehr unterschiedlich dick sind.
Das gepulst
photothermische Messverfahren kann für folgende Lacke angewendet
werden:
- Lösemittelhaltige
Lacke
- Wasserbasierte
Lacke
- 2K- Lacke
- Mischlacke mit
Metallanteil
- UV- Lacke
- Klarlacke
(Abhängig vom Untergrund)
- Gleitlacke
- Pulverlacke
Folgende Schichten
können nicht vermessen werden:
Untergrund
Entsprechend
der oberen Beschreibung wird über den Untergrund die in den Lack
eingebrachte Energie wieder abgeführt. Die Wärmeausbreitung
im Untergrund sollte wesentlich schneller ablaufen als im Lack, um eine
genaue Unterscheidung von Lackschicht und Untergrund vornehmen zu
können.
Erfahrungsgemäss erfüllen alle Metalle, Keramiken und Glas
diese Bedingung. Vorbehandelte Metalle auf denen metallische
Schutzschichten
abgeschieden sind, verhalten sich wie eine zusammenhängende
Metallschicht
und beeinträchtigen die Messung nicht. Sie tragen auch nicht zur
Messung der Gesamtschichtdicke bei. Bei allen Untergründen muss
darauf geachtet werden, dass das Substrat ausreichend dick ist. Die
Dicke
des Untergrundes und das vorhandene Volumen bestimmt, wie gut die
Wärme
abgeleitet werden kann. Selbst ein guter Wärmeleiter wie Metall
kann
nur Wärme abführen, wenn ein ausreichender
Materialquerschnitt
vorhanden ist. Untergrundmaterialien aus Metall sollten mindestens eine
Dicke von 0,5 mm besitzen. Auch die Haftung des Lackes auf dem
Untergrund
ist entscheidend. Eine
unzureichende Haftung verschlechtert den Wärmeabtransport und
erschwert
die Schichtdickenmessung.
Kunststoffe und
Faserverbundstoffe unterliegen gewissen Einschränkungen. Oftmals
muss die Kombination aus Lack und Kunststoff einer Probemessung
unterzogen werden, um die Wärmeausbreitungseigenschaften zu
untersuchen und Aussagen zur Messgenauigkeit und Reproduzierbarkeit
geben zu können. Die
Vielzahl von Lack- Untergrund- Kombinationen lässt leider keine
allgemeingültige Aussage zu und muss im
Einzelfall geprüft werden. Es existieren aber eine Reihe von
Erfahrungswerten auf die zurückgegriffen werden kann. Prinzipiell
besitzen festere
Kunststoffe eine bessere Wärmeausbreitung als weichere Kunststoffe.
Von uns getestete
Untergrund- Materialien sind:
- Metall (Eisen,
Alu, Kupfer, Guss, Sintermetalle)
- Keramik
- Glas
- Kunststoffe
(EPDM, ABS)