Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit

Die Bestimmung der Schichtdicke dient hauptsächlich dazu, die durch die Beschichtung hinzugefügten Eigenschaften des Produktes unter wirtschaftlichen Bedingungen zu garantieren. Die Bestimmung der Wirtschaftlichkeit eines Messgerätes gestaltet sich aber recht schwierig, zumal es keine produktive Maschine darstellt, sondern einfach nur die Beschaffenheit und Qualität eines Produktes feststellen kann ohne sie unmittelbar zu verbessern. Klassische Wirtschaftlichkeitsberechnungen sind nicht ohne weiteres anwendbar, da sie nur die am Produkt angefallenen Produktionszeiten, Materialverbrauch, Personalkosten und Instandhaltungskosten berücksichtigen.

Ausgehend von unseren Erfahrungen haben wir festgestellt, dass folgende Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit spielen. Dabei stehen die wichtigsten Faktoren an oberster Stelle.
1. Vermeidung von Gewährleistungsansprüchen durch:
2. Schnelle Reaktion bei Prozessabweichungen
3. Reduzierung der Einfahrzeit
4. Bessere Personalauslastung
5. Reduktion von Verbrauchsmaterialien
6. Reduktion von Umweltbelastungen
Einer der wichtigsten Gründe für die Wirtschaftlichkeit liegt in der Vermeidung von Gewährleistungsansprüchen. Betrachtet man heutige Beschichtungsverfahren, so stellt man fest, dass der Wertschöpfungsanteil der Lackierung im Verhältnis zum Bauteil gering ist, da die Bauteile zum Zeitpunkt der Lackierung bereits verschiedene Bearbeitungsschritte durchlaufen haben. Hinzu kommt, dass die Bauteile in komplexen Endprodukten eingebaut werden und bestimmungsgerecht funktionieren müssen.  Würde eine fehlerhafte Lackierung dazu führen, dass das Bauteil oder die Bauteile als Ausschuss zu deklarieren wären, so ist die bereits geleistete Wertschöpfung vernichtet. Weitaus schlimmer ist es, wenn das Bauteil im Endprodukt ausfällt, weil die Lackierung nicht den geforderten Eigenschaften entsprach.

Man erkennt, das die Beschichtung mit einer relativ kleinen Wertschöpfung am Gesamtwert des Bauteils einen entscheidenden Anteil an dessen Verwendbarkeit hat. Betrachtet man das Bauteil einzeln, so könnte man der Annahme verfallen, dass z.B. eine Überbeschichtung nicht weiter tragisch ist und man durch stichprobenartige Messungen mit anschliessendem Aussortieren die Qualität in den Griff bekommen kann. Entscheidend ist aber der Gesamtzusammenhang. Da das Bauteil zwar nur einen geringen Wert im Verhältnis zum Endprodukt besitzt, aber einen recht hohen Stellenwert bei der Gesamtfunktionalität  einnehmen kann, entscheidet dessen Qualität letztendlich auch über die Qualität des Endproduktes. Im ungünstigsten Fall kann z.B. eine Charge von 5.000 Teilen ausgeliefert werden, bei der 2 % der Teile fehlerhaft beschichtet sind. Die ersten Teile werden schon verbaut und nach 100 Teilen bemerkt der Kunde den Fehler. Als Konsequenz wird die Produktion gestoppt und gegenüber dem Lieferanten Gewährleistungsansprüche angemeldet. Der Lieferant muss auf seine Kosten die komplette Charge abholen und schnellstmöglichen Ersatz in gleicher Höhe liefern. Abgesehen davon, dass die Teile vielleicht nachgearbeitet werden können, muss aber zeitgleich die selbe Menge an Teilen als Ersatz zur Verfügung stehen. Anderenfalls kann der Kunde bei Zeitverzug auf Ersatz bei anderen Lieferanten bestehen, um seine Produktion nicht zu gefährden. Im schlimmsten Fall verliert der Lieferant seinen Kunden.

Man erkennt recht schnell, dass immense Folgekosten entstehen, die in keinem Verhältnis zum Gesamtaufwand der Lackierkosten stehen und die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens gefährden. In der Praxis werden sicherlich nicht alle Umstände eintreffen, aber schon die Vermeidung eines oder mehrerer Fehler kann Kosten vermeiden, die auch weit über der Höhe der Anschaffungskosten des Messsystems liegen.

Ein weiterer wichtiger Grund ist die schnelle Reaktion bei Prozessabweichungen. Nur durch den Einsatz eines Online-Messgerätes werden Sie in die Lage versetzt unmittelbar nach der Lackierung einzugreifen, wenn Prozessabweichungen auftreten. Die langen Wartezeiten des Trocknungsprozesses müssen nicht mehr abgewartet werden, wie sie bei konventionellen Messverfahren notwendig sind. Dadurch verringern sich die Anzahl der Ausschussteile und die Regelzeit enorm, wobei der Lackierprozess wirtschaftlicher wird. In diesem Zusamenhang ist auch die Reduzierung der Einfahrzeit von Lackieranlagen zu nennen, die ebenfalls von der verkürzten Reaktionszeit profitieren. Besonders bei Lohnbeschichtern mit kleinen Losgrößen und grosser Teilevielfalt stellt sie einen wichtigen Kostenfaktor dar.

Die Wirtschaftlichkeit des Messgerätes wird oft über die zu erwartende Lackeinsparung dargestellt, da man mit einer einfachen Rechnung das Einsparpotenzial bestimmen kann. In den meisten Fällen spielen aber die oben genannten Faktoren eine grössere Rolle. Nur bei Beschichtungsverfahren mit hohem Lackverbrauch von mehr als 40 Tonnen Lack pro Jahr kann auch über die Lackeinsparung die Wirtschaftlichkeit dargestellt werden. Erfahrungsgemäss erreicht man durch den Einsatz eines Online-Schichtdickenmessgerätes eine Lackeinsparung zwischen 10 % bis 20 %. Man muss dabei aber beachten, dass die Anlagentechnik auch entsprechend genau den Lack aufbringen kann. Als einfaches Hilsmittel können Sie unseren Wirtschaftlichkeitsrechner benutzen, mit dem sie das Einsparpotenzial über die Reduzierung des Lackverbrauchs bestimmen können.

Abschliessend sei noch zu erwähnen, dass durch den Einsatz von Messgeräten das Wissen über den Beschichtungsvorgang und dessen qualitätsbestimmenden Faktoren bei den Mitarbeitern wächst. Wir haben festgestellt, dass der Einsatz von Online-Messsysteme oft in vorgelagerten Produktionsschritten qualitätsbestimmende Fehlerquellen aufdeckte, die durch das Bedienpersonal selbst behoben werden konnten und zu einer besseren Produktionsstabilität führte.


Indikatoren für grösste Wirtschaftlichkeit

Zusammenfassend können einige Indikatoren genannt werden, von denen eine grosse Wirtschaftlichkeit abgeleitet werden kann. Sie sollen Ihnen helfen, einzuschätzen wo ausgehend von Ihrem Lackierprozess das Potenzial für die Wirtschaftlichkeit liegt.